Die Anreise nach Zagreb lief am Ende besser als erwartet, auch wenn sie natürlich nicht ganz ohne kleine Hindernisse war. Wegen einer Vollsperrung der A4 bei Köln Eifeltor dauerte die Fahrt zum Flughafen zwar etwas länger, kam aber pünktlich an. Der Check-in verlief reibungslos, nur an der Security hing ich eine gute Stunde fest, bis mein Rucksack endlich durch den Scanner war. Danach ging alles erstaunlich schnell: fünf Minuten später saß ich schon im Flugzeug. Der Flug selbst war dann unspektakulär gut — pünktlich gelandet, das Rad lief zügig vom Band, alles da.


In Zagreb bin ich mit dem Taxi zum Schwiegervater eines Arbeitskollegen gefahren, habe dort in Ruhe das Rad zusammengebaut und bin dann los. Das Wetter war zunächst perfekt: Sonne, 25 bis 30 Grad, also erstmal an die Tankstelle, Reifen aufpumpen und weiter Richtung Bosnien.

Unterwegs habe ich irgendwann eine Abzweigung nach Petrinja verpasst und landete in Sisak, was im Nachhinein aber nicht schlimm war. Als ich es bemerkte, hielt ich kurz entschlossen an einem Restaurant an um einen Blick auf Wetter und Unterkunftsmöglichkeiten zu tun. Beim Wetter bahnte sich Regen an und bei den Unterkünften sah es knapp aus. In Bosnien Herzegowina schien unmittelbar hinter der Grenze nichts mehr frei zu sein. Auch in Sisak gab es laut Booking.com nur noch ein freies (bezahlbares) Zimmer, Airbnb gar nichts mehr. Also erstmal etwas essen und die Lage neu bewerten. Ich entschied mich in Sisak das Zimmer zu buchen und erst am folgenden Morgen weiter nach Banja Luka zu radeln. Die Entscheidung war goldrichtig, denn kaum unter der Dusche fing es heftige an zu regnen an.
Am nächsten Morgen habe ich es ruhig angehen lassen. Erst um halb acht aufgestanden, in Ruhe einen Kaffee getrunken und den Vermieter nach einer Bäckerei gefragt. Der hat mir auf Google Maps den Weg zu einer guten Bäckerei gezeigt (die be Google überhaupt nicht eingetragen war), und ich bin hingefahren. Dort gab es Schoko-Croissants, und ich wollte erst zwei nehmen — am Ende wurden es vier, weil die mir gleich eingepackt wurden und ich das erst 100 Meter später gemerkt habe. Zwei habe ich direkt gegessen, zwei für später aufgehoben. Bessere Fahrtverpflegung kann man sich kaum wünschen, zumindest wenn man auf Nutella steht. Gefühlt waren in jedem Croissant ein halbes Glas Nutella enthalten.


Danach ging es weiter zur Grenze. Die Strecke war wellig, und das Wetter kippte deutlich: Statt 30 Grad waren es plötzlich nur noch 13. Der Grenzübertritt war unspektakulär und verlief schnell. Es fing jetzt stärker an zu regnen. Dazu kam ein platter Reifen — und natürlich ausgerechnet dann bemerkte ich, dass die Pumpe kaputt war. Zum Glück hatte ich noch die Akku-Pumpe dabei. Die war zwar nicht mehr ganz voll, hat aber gerade so genug Luft in den Reifen gebracht, damit ich weiterfahren konnte, wenn auch mit etwas schwammigem Hinterreifen.


Die letzten etwa 30 Kilometer waren dann entsprechend zäh. Immerhin fand ich noch eine LKW-Werkstatt, die mir Luft in den Reifen gegeben hat. Danach ging es im Regen weiter. Banja Luka im Berufsverkehr mit dem Rad war nicht gerade komfortabel, zumal die Radwege dort oft eher wie abgeteilte Parkflächen wirken. Zusätzlich hatte ich zunächst kein Internet, und meine bestellte SIM-Karte war noch nicht aktiv. Erst in einem Radladen, wo ich WLAN bekam, konnte ich den Kontakt zum Veranstalter des B^Hard herstellen. Die Leute im Laden waren sehr hilfsbereit, was nach so einem Tag ehrlich gesagt genau richtig war. Ich war gegen 1600 in Banja Luka, die Starterpacks konnten ab 1800 abgeholt werden. Also etwas zeit um sich pitschnass noch in DM Drogeriemarkt aufzuwärmen und das WLAN des Marktes zu nutzen. Einen Kaffee in einem Cafe in der Nähe gäbe es auch noch. Um 17:30 Uhr bin ich zum Ort der ausgäbe der Starterpacks gefahren, und glücklicherweise waren die Jungs schon da. Also direkt weiter zum Hotel.
Der Check-in selbst war dann noch ein kleines Rätsel: versteckter Eingang, 4. Etage, Rad mitsamt allem Gepäck nochmal hochtragen — aber am Ende hat alles funktioniert. Danach duschen, kurz durchatmen und feststellen, dass die Unterkunft zwar etwas hellhörig war, aber für zwei Tage und den Preis völlig in Ordnung. Später bin ich noch einmal los und habe mir eine neue Pumpe, Kabel und Arbeitshandschuhe (als Ersatz für die vergessenen langen Handschuhe) gekauft. Wenn man bei Regen unterwegs ist, ist es ganz praktisch, ein paar Dinge dabei zu haben, die das Leben nicht noch komplizierter machen.



Am Freitag ging es um 10 Uhr direkt vor der Unterkunft los zum „Warmup Ride“. Zuerst wollte ich Bargeld holen, aber der erste Automat wollte meine Karte nicht. Aber im Gebäude der Unterkunft gab es noch eine Bank mit einem Automaten, der die Visa-Karte akzeptierte. Danach war ich froh, dass das Thema erledigt war. Beim Warmup ride konnten ich viele Teilnehmer kennenlernen, und auch die letzten 10-15 Kilometer des Rennen wurden abgefahren. Das war seht gut, gab es auch diesem Abschnitt doh eine Vielzahl großer und tiefer Löcher in der Straße. Angeblich würden diese bis Montag aber noch beseitigt.


Das Briefing um 16 Uhr zog sich dann ziemlich, insgesamt fast zwei Stunden, da jeder Teilnehmer einzeln vorgestellt wurde, Es war eine nette Idee, alle Teilnehmer kennenzulernen und auf dem Plipchart zu unterschreiben. Danach galt es noch kurz etwas für das Frühstück einzukaufen und den Rest vorbereiten — der ganz normale Vorstart-Wahnsinn eben. Kurz nach acht war ich schließlich mit allem fertig und einfach nur noch froh, im Bett zu liegen.
