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virtuelles Everesting am 14. Mai

Als ich am 7. Mai zufällig las, dass es auf RGTcycling möglich ist, bis zum 17.5. an einer virtuellen Everesting Challenge (vEveresting) teilzunehmen, reifte schnell die Idee, dies zu tun und mit einer spontanen Spendenaktion zu verknüpfen. Die Zeit wäre aber sehr knapp. Denn als Vorbereitung für das Race Across Germany (RAG), welches auf den 4. Juni terminiert war, wollte ich am langen Wochenende an Christi Himmelfahrt eigentlich eine lange Tour von rund 360 km fahren. Wo sollte da noch ein vEveresting reinpassen? Noch am selbigen Abend erreichte mich dann die Information des RAG, dass das Race Across Germany von Aachen nach Görlitz wegen der Ausgangssperren und unsicheren Situation auf den 10. September verschoben wird. Perfekt, also stand dem vEveresting nichts anderes mehr im Wege als den inneren Schweinehund zu überwinden. Die 12h von der vWTTC hatte ich zwar nicht mehr in den Beinen, aber noch im Kopf. Egal, die Kids in Malabon brauchen Unterstützung, also nichts wie rein in das Unvergnügen….

 

 

 

Viel Werbung in eigener Sache um Spenden zu sammeln war nicht mehr drin. Nur ein update als E-Mail, welches ich über Betterplace.org verschickt habe, musste reichen. Die Idee war, die gesamte Spendensumme, die ich bislang für die Projektgruppe-malabon.de gesammelt habe, auf 8848 Euro zu erhöhen. Sollte dies bis zum 13. Mai geschafft sein, würde ich mich am 14. Mai an die vEveresting Challenge herantrauen. Und der Betrag wurde mehr als erreicht!Am Donnerstag (13.5.) gab es als Vorbereitung eine lockere Rede von 120 km. Die Vorstellung, dass das ungefähr die Strecke sein wird, die es am nächsten Tag nur nach oben gehen sollte, ließ mich etwas an Sinn und Machbarkeit der Idee zweifeln. Aber aus der Nummer konnte ich jetzt nicht mehr raus.

Technisch war es das gleiche Setup wie im Januar. Der Aufbau ging wesentlich schneller als vor 4 Monaten, denn ich wusste ja wo was wie verkabelt und platziert werden musste. Der einzige Unterschied war das Rad. Im Januar war mein „Sommerrad“ auf dem Smarttrainer installiert, jetzt im Mai mein „Winterrad“, mitsamt Schutzblechen :-).

Nachdem ich um 06:00 aufgestanden war, wurde die Technik gestartet, und erst einmal gefrühstückt. Müsli mit Quark und Joghurt. Noch zwei Toasts, zu viel ist bergauf, auch virtuell, nicht gut.

Um 07:15 Uhr wollte ich eigentlich schon los, aber ein paar kleinere technische „Wehwehchen“ ließen mich erst um 7:37 Uhr starten. Die größten Sorgen waren Software, Temperatur und Beine…

Auf der RGTcycling Plattform gab es in den Tagen vorher ein paar Probleme. Manchmal konnte man sich nicht anmelden, oder wurde während einer Fahrt auf einmal „rausgeschmissen“. Die Empfehlung für das vEveresting war, regelmäßige Screenshots vom Bildschirm zu machen. Sollte man aufgrund von Software Problemen nicht weiter fahren können, bzw. müsste man bei Null wieder anfangen, könnte man dann die Fahrten aneinander hängen und mit den Screenshots als Beweis einreichen. Sollte ich auf RGTcycling nicht weiter fahren können, war mein Plan B auf der Plattform Zwift weiterzufahren. Aber das war glücklicherweise nicht nötig.

Zwar stürzte die App zweimal ab, aber bei sofortigem Neustart konnte ich die Herausforderung ohne Probleme an der gleicht Stelle fortsetzten. Trotzdem gab es dadurch zweimal einen kleinen Adrenalinschub.

Schnell mussten die beiden Ventilatoren ran. Trotz offenem Fenster wurde es bald sehr warm. Kein Wunder, denn neben mir waren ja recht viele elektronische Geräte mit reichlich Abwärme im Einsatz.

Bis zum ersten Livestream um 08:00 Uhr verging die Zeit recht schnell. Ich habe mich sehr gefreut, dass bei diesem ersten Livestream auch ein paar Freunde zugeschaut haben. Denn entweder war Brückentag, und sicher verplant, oder man musste um diese Zeit arbeiten. Gegen 9 Uhr war ich zum ersten Mal auf dem Gipfel und voll auf Kurs was meine geschätzte Dauer und Leistung anging (1h 22’ für den Anstieg bei 160 Watt Durchschnittsleistung)

Während der Abfahrt mussten erst einmal die durchgeschwitzten Klamotten gewechselt werden. Neben essen, trinken, treten, dem Livestreaming und noch ein bisschen Instagram, habe ich parallel versucht, etwas in den Liveblog auf der Webseite zu schreiben, noch Telefonate geführt, und auch E-Mails gelesen und beantwortet. Je länger es dauerte, desto schwieriger wurde es allerdings. Auch, weil man total verschwitzt mit Touchscreen und Touchpad nur Probleme hat. In den ersten beiden Stunden habe ich es sehr ruhig angehen lassen, mit 160–180 Watt bergauf bei durchschnittlich 8 % Steigung ist langsam.

Bei RGTcycling hatten sich bis Freitag mehr als 300 Fahrer für diese Herausforderung anmeldet. Man konnte zwischen dem 1. und 17. Mai starten (und enden). Morgens um 8 Uhr waren, mich eingeschlossen, 4 Fahrer auf er Strecke, und ich war mir sicher, dass es im Laufe des Tages noch mehr würden. Ein Kollege aus England fuhr ähnlich schnell wie ich, die beiden Anderen waren etwas schneller unterwegs. Wie sich herausstellen sollte, wollten die beiden schnellen Jungs nur eine Runde fahren und haben sich nach 25 (oder sogar nach 12,7 km auf dem Gipfel) wieder verabschiedet. Kurz blitzte der Avatar meines Kumpels Samuel auf. Per WhatsApp ließ er mich wissen, dass er nach der Arbeit mich ein oder zwei Runden begleiten wolle. Das war echt Motivation, wenn auch noch viele Stunden entfernt.

Meine aktuell erreichten Höhenmeter habe ich immer mit den Alpengipfeln, später mit denen in den Anden und Himalaya verglichen. Anders als in der Wirklichkeit wurde die Luft in meiner „Muckibude“ aber nicht dünner, sondern immer stickiger und dicker.

Mittags zog ein Gewitter auf (im richtigen Leben). Eine Abkühlung wäre zwar gut, aber nachdem letzten Sommer bei uns der Blitz über die DSL und Telefonleitung einen Weg ins Haus gefunden hatte, war ich etwas besorgt. Aber es gab zum Glück keine Verbindungsabbrüche oder gar Schlimmeres.

Der zweite Livestream startete um 14:00 für rund zwei Stunden und brachte wieder etwas Abwechslung in die Sache. Mittlerweile hatte ich den dritten Satz Kleidung an. Auch waren von den Höhenmetern gegen 14:00 Uhr genau die Hälfte erreicht, also Halbzeit. Das hieß aber auch, dass ich den letzten Livestream, der für 20 Uhr geplant war, vorziehen musste. Denn ich lag glücklicherweise vor meiner kalkulierten Ankunftszeit.

Die virtuelle Strecke hatte keine gleichmäßige Steigung. Es ging relativ konstant mit 7–8 Prozent Steigung los, wurde auch einmal etwas flacher (für wenige hundert Meter) mit 5 %, um sich darauf hin wieder zwischen 7 % und 8 % einzupendeln. Am Ende wurde es dann aber richtig steil, 19 % Steigung. Die Idee war, den wirklichen Anstieg auf den Mount Everest zu modellieren. Natürlich kann man mit einem Fahrrad nicht eine Steilwand rauf. Daher wurde alles herunter skaliert, um es fahrbar zu machen. Ich fand das eine tolle Idee!

Zwischen dem Engländer und mir gab es ein Elefantenrennen. Er fuhr im Anstieg ungefähr 0,4 km/h schneller als ich. Als ich startete, war er mit seiner ersten Runde fast fertig und lag ca. 4 km hinter mir. Nach 8 oder 9 Stunden (kann nicht wirklich mehr sagen, wann genau) hatte er mich eingeholt, und wir sind zwei Runden (seine letzten beiden) gemeinsam gefahren. Am Ende hatte er zu kämpfen und ich bin mein Tempo weiter gefahren. Er lag aber nur wenige hundert Meter hinter mir als er seine vEveresting Challenge geschafft hatte. Über die Chatfunktion in der Software hatten wir uns während dieser beiden Runden unterhalten. Er fuhr in seiner Garage, mit offenem Tor, irgendwo in England, und fluchte auch über die Temperatur und freute sich auf ein Bier danach.

Als ich in der achten der erforderlichen neun Runden war, so gegen Mitte des Anstiegs um 18:45 Uhr, war Samuel dann zu Stelle. Sein Avatar wartete unten im Tal, aber es sollte noch ca. 50 Minuten dauern bis ich ihn erreichte. Das war eine tolle Motivation für den letzten Anstieg. Windschatten gab es bergauf nicht, anschieben und drücken geht virtuell auch nicht. Aber mit jemandem zusammen, wenn auch nur in einer verrückten, virtuellen Welt, ist 1000-mal besser als alleine in einem „Computerspiel“ zu fahren. Danke Samuel.

Um 19:43 Uhr war es dann so weit, und die 8848 Höhenmeter waren geschafft. Die Summe der eingegangenen Spenden betrug zu diesem Zeitpunkt 9132,48 Euro. Grund genug auch noch diese Differenz von 284 Höhenmetern dranzuhängen. Samuel hat mich auch bis zu dieser Marke noch begleitet. Gegen 20:20 war es dann geschafft. Die nächste Hausnummer in Sachen Challenges sind 10000 Höhenmeter. Da gibt es auch Auszeichnungen etc. Das spare ich mir dann für ein anderes Mal auf 🙂 Man muss ja noch Ziele haben.

Mittlerweile (Stand 20. Mai) wurde eine Spendensumme von 9502,48 Euro erreicht. Das sind 868,48 Euro die durch das vEveresting “erklommen” wurden.

Es darf natürlich weiter gespendet werden!

 

 

 

Zahlenspiele:

Start: 7:45 Uhr (7:37 Software gestartet und ein paar Probemeter geradelt)

Ende: 20:19 Uhr

Distanz: 231,31 km

Höhenmeter: 9135 m

Verbrauch: 8625 kcal 

Zufuhr: 600 ml/h Elektrolyt und kohlenhydrathaltige Getränke, plus 3 große Becher Kaffee, 1 gekaufter Müsliriegel, 8 selbst gebackene, 2 Käsebrötchen, 2 Toast mit schlesischen Gurken, 2 Äpfel

Für die technisch Interessierten noch ein paar Details:

Anstieg 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Dauer (hh:mm:ss) 01:22:21 01:14:26 01:09:25 01:10:26 01:03:43 01:04:57 01:07:44 01:05:31 01:05:15
akkumulierte Höhenmeter (m) 984 1968 2952 3936 4920 5904 6888 7872 8856
Arbeit (kJ) 804 814 818 816 822 821 819 821 820
⍉ Leistung (Watt) 163 182 196 193 215 211 201 209 210
⍉ Trittfrequenz (RPM) 77 72 70 71 72 70 73 72 72
⍉ Geschwindigkeit (km/h) 9,6 10,3 11,1 10,9 12,1 11,8 11,3 11,7 11,8
Zahlenbingo….

Nicht von den Höhenangaben verwirren lassen. Strava rechnet nach Karte, RGT zeigt den “wirklichen” Wert an.

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