Konjic – Kontrollpunkt. Und ja: Ich habe gut geschlafen. Wirklich gut. Der beste Schlaf seit Wochen. Das Hotel hat es sogar geschafft, mir ein Frühstück einzupacken. Nicht einfach „irgendein Frühstück“, sondern eines, das sich am nächsten Morgen tatsächlich wie Treibstoff anfühlte.
Der Wecker klingelte um 3:45 Uhr. Kurz darauf war ich wieder unterwegs. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits etwa 990 km der insgesamt 1.221 km zurückgelegt, dazu über 14.000 Höhenmeter.

Und der letzte Tag sollte wieder ein harter werden. Mit dem Vlasič erwartete mich ein weiterer langer und steiler Anstieg – zusammen mit einigen anderen Herausforderungen, die sich ebenfalls nicht aus den Wetter- oder Höhenstatistiken heraushalten ließen.

Zunächst fuhr ich flussabwärts entlang der Neretja. Nach einer halben Stunde gönnte ich mir den kurzen Luxus, anzuhalten – und das Frühstück zu genießen. Am Morgen war es angenehm kühl. Vorerst. Denn später würde es wieder richtig heiß werden.

Der erste Anstieg des Tages begann bei Kilometer 48, hatte 700 Höhenmeter zu bewältigen und war 14 Kilometer lang. Danach fuhr ich auf der Nordseite durch den Nebel hinunter ins nächste Tal. Während ich beim Anstieg noch in leichter Kleidung unterwegs war, musste ich mich bei der Abfahrt schnell umziehen. Im Nebel (oder zumindest tief in den Wolken) war es kühl – so sehr, dass man gar nicht lange überlegt; man zieht einfach seine Windjacke an.
Die Fahrt nach Travnik war von weiteren Anstiegen und Abfahrten geprägt, während ich mich durch eine lange Baustelle auf Schotter schlängelte.
In Travnik gönnte ich mir ein Stück Pizza und ein Brötchen. Man kann über Trainingsmanagement reden, man kann über Herzfrequenzen reden – aber Pizza in Travnik ist einfach … Pizza in Travnik.


Danach fuhr ich den Vlasič hinauf zum letzten Kontrollpunkt vor Banja Luka. In der Mittagshitze war ich froh, meine Flaschen oben wieder auffüllen zu können. Weniger als 100 km bis zum Ziel. Ich hatte bereits mehr als 17.000 Höhenmeter zurückgelegt. Von da an fühlte sich jeder Höhenmeter weniger wie „Training“ und mehr wie „Bilanz ziehen“ an.

An einer Tankstelle in der nächsten Stadt gönnte ich mir sogar ein Eis. (Und ja, ich musste kurz an den Transcontinental 2023 denken: Damals kaufte ich mir um 22:00 Uhr mein Abendessen – Snickers und Chips. Manche Traditionen sterben nie aus.)


Der Rest ist schnell erzählt: eine lange Abfahrt, gefolgt von einem letzten Berg. Er war eigentlich nicht besonders steil und leicht zu bewältigen – aber die Hitze im Tal und beim Anstieg war unerträglich. Das ist die fiese Falle beim Ultracycling: Die Steigung scheint moderat, die Temperatur ist es ganz sicher nicht.
Glücklicherweise fand ich unterwegs ein paar Quellen und Brunnen, an denen ich meine Flaschen auffüllen und mich gleichzeitig ein wenig abkühlen konnte. Das ist wie ein Tech-Update für den Körper: kostenlos, vor Ort, kein Download erforderlich.

Bei der Abfahrt nach Banja Luka habe ich das Tempo wieder erhöht. Als ich unten angekommen war, waren es wahrscheinlich noch etwa 15 km bis zum Ziel – und schließlich überquerte ich am Dienstag um 15:40 Uhr die Ziellinie. Gesamtzeit: 82 Stunden und 40 Minuten – 16. Platz in der Gesamtwertung und 2. in meiner Altersklasse.
Ich habe während des Rennens kein einziges Mal auf den Live-Track geschaut. Kein ständiges „Wie weit liege ich zurück? Wie schnell muss ich sein?“ Stattdessen bin ich einfach mein eigenes Rennen gefahren. Das ist entspannend – und macht mehr Spaß, als sich von Daten und Zeiten stressen zu lassen.

Dass ich mich damit auch wieder für das Race Across America qualifiziert habe, ist natürlich ein schöner Bonus. Aber ehrlich gesagt: In diesem Moment zählte vor allem, dass ich einfach weiterfahren konnte.
Im Ziel gab es eine Medaille, Fotos, ein Bier an der Ziellinie und – nach der Dusche – etwas Anständiges zu essen. Danach war ich wieder in derselben Unterkunft, in der ich schon vor dem Start gewohnt hatte. Ultracycling ist manchmal einfach so einfach: dieselbe Unterkunft, eine andere Version von sich selbst.
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück und einem Kaffee in einer Bar in der Nähe meiner Unterkunft, machte ich mich mit zwei anderen Teilnehmern auf den Weg zum BHard-Hauptquartier. Dort fand die Siegerehrung statt. Kurz nach Mittag verabschiedete ich mich und machte mich auf die 190 km lange Fahrt nach Zagreb. Dort traf ich Kollegen aus meiner Zeit als Projektmanager wieder, als ich noch alle paar Wochen beruflich nach Zagreb gereist war. Es ist schon lange her, aber manche beruflichen Beziehungen entwickeln sich zu Freundschaften.
Nun, so wie es zu Beginn der Reise eine gesperrte Autobahn und eine endlos lange Schlange an der Sicherheitskontrolle gegeben hatte, sorgte am Ende Unwetter in Deutschland dafür, dass mein Rückflug um 2 Stunden und 45 Minuten verspätet war. Statt am Freitag um 22 Uhr in Köln zu landen, kam ich erst kurz vor 1 Uhr morgens am Samstag an. Doch das hat meine gute Laune nicht im Geringsten getrübt. Eine wunderbar organisierte Veranstaltung durch eine unglaubliche Landschaft. Ich bin froh, das BHard zu meinen Erlebnissen zählen zu dürfen – nicht zuletzt, weil ich dort einige tolle Leute kennengelernt habe, die ich hoffentlich bei einem der nächsten Ultracycling-Rennen wiedersehen werde.
Euer Bert

