Du betrachtest gerade Ein langer Tag, zwei alkoholfreie Biere und ein See, für den keine Zeit blieb

Ein langer Tag, zwei alkoholfreie Biere und ein See, für den keine Zeit blieb

Ich bin dann doch erst um 4:30 Uhr aufgestanden. Die Nacht war draußen ziemlich laut, und die Fensterscheiben hatten offenbar auch nicht vor, dabei irgendeine Hilfestellung zu leisten. Beim Frühstück im Hotel gab es Toastbrot, eine Packung Geflügelleberwurst, Marmelade, ein Stück Schmierkäse und Schmierwurst. Nutella habe ich mir gespart — von den Croissants am Donnerstag war noch genug Energie im System. Bis ich alles verpackt hatte, war es 5:30 Uhr. Morgens brauche ich anscheinend einfach eine gute Stunde, bis ich halbwegs im Rennen bin.

Meinen Helm hatte ich am Abend irgendwo draußen vor dem Hotel liegen lassen. Zum Glück war er zusammen mit der Mütze heute Morgen an der Rezeption gelandet. Mein Name stand ja auch auf dem Helm, das hilft in solchen Momenten erstaunlich viel. Um 6:00 Uhr hatte ich dann bereits die im Roadbook erwähnten streunenden Hunde südlich von Mostar hinter mir. Auch das war erledigt, bevor der Tag überhaupt richtig angefangen hatte.

Höhenprofil CP4 bis CP5 (1160 Höhenmeter)

Bis zum nächsten Kontrollpunkt waren es ungefähr 140 Kilometer, und diese Strecke hat sich ordentlich gezogen. Es wurde ziemlich schnell heiß. Nach 34 Kilometern kam ich durch Capljina und habe dort noch eine Bäckerei gefunden, also gleich noch etwas nachgelegt. Dort habe ich auch den jüngsten Teilnehmer getroffen, Marko aus der Schwäbischen Alb, sowie ein Paar aus Köln — wobei die beiden, wenn ich das richtig verstanden habe, nicht gemeinsam in der Paarwertung, sondern getrennt in der Brevet-Wertung unterwegs waren.

Von dort ging es erst einmal über einen „Hügel“ rüber, der sich bei der Hitze deutlich unangenehmer gefahren hat, als das Wort „Hügel“ vermuten lässt. Danach zog sich die Strecke lange an einer alten Bahnstrecke entlang, ewig durch ein Tal. Landschaftlich schön, aber nicht gerade abwechslungsreich. Irgendwann kam dann noch die Straße zum Kontrollpunkt dazu, und die sollte man bei der Hitze am besten einfach vergessen. Es waren am Ende noch etwas über 40 Kilometer auf der Straße, und die wurden langsam unerträglich.

Den Kontrollpunkt in Trebinje erreichte ich zur Mittagszeit. Dort war gerade ein großes Motorradtreffen, entsprechend voll waren die Straßen rund um den Ort. Überall Mopeds, die alle gleichzeitig überholen wollten — laut, eng und nicht immer ganz ungefährlich. Ich habe mir dort Nudeln gegönnt, noch etwas eingekauft, Wasser aufgefüllt und bin dann weiter zu CP6.

Ab da wurde es noch einmal ernst. Es ging lange bergauf, und die brutale Hitze machte es nicht besser. Ein paar Mal habe ich schon gezweifelt, ob ich nicht doch aufhören sollte. Aber am Ende habe ich es einfach mit reduziertem Tempo durchgezogen. Irgendwann ging es dann auch wieder bergab zum Kontrollpunkt. Landschaftlich war das wirklich stark, und der smaragdgrüne See im Nationalpark war toll — nur leider blieb kaum Zeit, ihn richtig zu genießen. Ich hatte dort zwei alkoholfreie Biere, eine Suppe und dann noch eine schöne Abfahrt vor mir.

gefühlt ging es zwischen CP5 und CP6 nur bergauf. Es waren 1800 Höhenmeter.

An einem kleinen Supermarkt neben einer Tankstelle habe ich noch etwas für den Abend und den nächsten Morgen eingekauft. Dort stand auch ein Teilnehmer, bei 30 Grad in Regenjacke, sichtbar frierend und auf seine Frau wartend. Viele hatten in der Hitze offenbar richtig zu kämpfen und waren kreislaufmäßig am Limit. Bis CP7 zog es sich dann nochmal hin: rauf und runter, gefühlt etwas mehr runter als rauf, aber wegen der Dunkelheit trotzdem kein Vergnügen. Die letzten zwei Stunden machen dann einfach keinen Spaß mehr, wenn man nicht weiß, wo die Schlaglöcher sind und die Lampe nur noch im Energiesparmodus läuft, weil das Nachladen schwierig ist.

con CP6 zum Tagesziel CP7 ging es noch einmal richtig rauf, und dann gefühlt nur noch bergab.
Ankunft bei CP7 in Visegrad

Im Hotel gab es dann noch eine sehr eigenwillige Mischung aus Limo, Apfel und Neapolitan-Waffeln. Ich habe geduscht, etwas von dem gegessen, was ich unterwegs gekauft hatte, und dann war der Tag auch endlich vorbei. Es war ziemlich ruhig, es ging noch alles ganz ordentlich — und kurz vor elf lag ich im Bett.

Schreibe einen Kommentar