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Der härteste Tag: Berge, Hitze und ein Unwetter im Nacken

Heute sollte wohl der härteste Tag werden. Wegen der Höhenmeter und weil im Laufe des Nachmittags Regen angekündigt war, war schon beim Aufstehen klar: Das wird kein gemütlicher Ausrolltag.

Höhenprofil CP7 bis CP8
Höhenprofil CP8 bis CP9

Ich bin um 3:30 Uhr aufgestanden und um 4:30 Uhr aus dem Hotel raus. Das Frühstückspaket war eher ein kleines Abenteuer für sich: ein riesiger Döner mit Käse, Schinken und Salat — ich habe bis heute nicht ganz herausgefunden, was da alles drin war — dazu ein Apfel und Wasser. Den Apfel habe ich übrigens noch immer irgendwo dabei. Irgendwann wird auch er seinen Moment bekommen.

Frühstart in einen langen und anstrengenden Tag

Seitdem ging es nur bergauf. Das Ziel war, irgendwann gegen Mitternacht bei CP9 zu sein. Der erste große Anstieg dauerte ungefähr 2 Stunden und 20 Minuten — ein steiles, gemeines Ding. Genau in diesem Abschnitt habe ich Dragan aus Serbien kennengelernt. Er war bereits zweimal hier gestartet und diesmal zum dritten Mal dabei. Wir sind den Anstieg größtenteils zusammen hochgefahren, konnten dabei auch immer mal wieder reden und uns auf den flacheren Stücken austauschen. Bergab fuhren wir mit genügend Abstand, weil wir beide im Rennmodus unterwegs waren — und da ist Windschatten eben keine Option.

Oben am ersten Gipfel habe ich mich dann komplett für die Abfahrt angezogen, inklusive der frisch gekauften Montagehandschuhe. Bei der Länge und Härte der Strecke war „frisch bleiben“ allerdings eher Theorie als Realität. Nach der Abfahrt bin ich kurz in einen Supermarkt, um Nachschub zu kaufen. Ein bisschen essen, trinken, weitermachen — mehr war da nicht drin.

Der nächste Anstieg war dann richtig ernst: 24 Kilometer, mächtig hoch und wieder runter, mit flachen Stücken dazwischen, die sich nie wirklich wie Erholung angefühlt haben. In der Mittagshitze habe ich entschieden, eine kleine Pause einzulegen. Schnell etwas essen, was ich unterwegs gekauft hatte, und weiter.

Dragan tauchte zwischendurch immer wieder auf, wir haben uns ein paar Mal gegenseitig überholt und sind gemeinsam Richtung Olympiagelände der Winterspiele von 1984 gefahren. Es ging lang und steil bergauf bis zum Kontrollpunkt in Jahorina auf knapp 1700 Metern Höhe. Oben haben wir noch einmal nachgetankt, die langen Sachen angezogen und uns in die Abfahrt Richtung Sarajevo gestürzt. Unten angekommen waren es plötzlich wieder 30 Grad, also alles direkt wieder aus — so schnell wechselt man hier vom Winter in den Hochsommer.

Es folgten mehrere Tunnel und die viel befahrene Straße Richtung Sarajevo. Das war ehrlich gesagt ziemlich fies, vor allem mitten durch die Stadt. Im Vergleich zu der Strecke, die ich beim Transcontinental gefahren bin, war das hier fahrerisch deutlich unangenehmer, auch wenn die Route natürlich vorgegeben ist. Über zehn Kilometer mitten durch den Verkehr, mit Baustellen, Straßenbahnschienen und viel Gewusel. Unterwegs kam noch ein Serbe dazu, der in Köln Fahrradkurier ist — komplett irre im Stadtverkehr, meinte er, sei sein Job. Ich bin der Meinung: genug Wahnsinn für einen Tag.

Vor dem nächsten Anstieg habe ich noch in einer Bäckerei etwas gegessen. Dragan und ein weiterer Fahrer waren nur etwa 100 Meter hinter mir, und so haben wir uns die ganze Zeit immer wieder unterhalten. Es ging in einen langen, wirklich zähen Anstieg. Hinter uns zog schon das angekündigte Unwetter auf, und genau auf dem ersten Gipfel habe ich die Regenklamotten angezogen. Nicht schön, aber nötig. Auf der anderen Seite war das Gewitter zum Glück noch nicht angekommen, also konnte ich die Abfahrt trocken fahren. Auf Instagram konnte man Bilder von anderen Teilnehmern im Hagel und Starkregen sehen — da hatte ich wirklich Glück.

Die Abfahrt selbst war fantastisch: nur drei oder vier Kilometer lang, aber landschaftlich und von der Lichtstimmung her wirklich stark. Im Hintergrund hörte man schon das Donnern, links ging es dann wieder in den Nationalpark hinein, und ich durfte alles wieder ausziehen. Zum Glück, denn der nächste Anstieg am Visočica war bisher einer der schönsten, aber auch steilsten, die ich je gefahren bin. Fotografen gab es auch, also vielleicht taucht davon irgendwann noch etwas auf.

was es rauf geht, geht es auch wieder runter

Es zog sich noch lange hin. Über den zweiten Gipfel ging es weiter, während die Sonne schon fast unterging. Ein Ziel an diesem Tag war, diesen Abschnitt noch bei Tageslicht zu schaffen — und das hat am Ende gerade so geklappt. Danach blieben noch rund 30 Kilometer bis ins Ziel. Auf den  letzten 15 Kilometer vor Konjic gab es oft längere Steigungen mit 11 Prozent Steigung im Schnitt, dazu mehrere knackige Anstiege von jeweils drei bis vier Kilometern. Da ist man dann nicht mehr schnell, sondern einfach nur noch beschäftigt irgendwie vorwärts zu kommen. Mehr als sechs oder sieben Stundenkilometer, manchmal auch nur drei, waren da nicht drin.

CP9 weit vor Mitternacht

Irgendwann kam ich am Kontrollpunkt an, bekam meinen Stempel, gab noch ein kurzes Interview und fuhr ins Hotel. Dort habe ich erst einmal eine Packung TUC gegessen — immerhin drei Viertel, vielleicht auch vier Fünftel. Den Rest habe ich mir für den nächsten Morgen aufgehoben, auch wenn daraus dann kein Frühstück mehr wurde. Anschließend ging es relativ schnell ins Bett. Ein harter Tag war geschafft.

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